„Ich bin für Vanessa“
„Gisela ist so Scheisse!“
„Jetzt haben alle einen Heidi-Pony.“
„Heidi ist Hitler.“
Alle paar Minuten leuchtet mein Handy auf, Kurznachrichten fliegen in meine Wohnung und in der Tat ist es spektakulär, wie Gina Lisa (eine Mischung aus Gina Wilde und Mark Matlock) mit ihrer allerliebsten Busenfreundin (die sie ja schon ewig – seit dem ersten Casting eben – kennt und die ausser der Lisa Bund-ich war früher dick, jetzt bin ich dünn- Geschichte nichts zu bieten hat) einen Streit vom Zaun brechen muss.
Alle Augen, alle Kameras sind auf die beiden gerichtet, wie sie auf einem Dach in New York stehen und sich möglichst „dolle“ verletzen. Da bleibt es nicht, wie man zweifelsohne denken könnte, bei
„Du bist doof, Alte.“
„Du bist auch doof, Alte.“,
sondern Nein. Da wird gerempelt und geschubst. Da werden zwei, die sich ganz schlimm lieb haben systematisch aufeinandergehetzt. Die Republik reibt sich die Hände und wartet schon auf das Ende, denn dann sollen die beiden „getrennt“ werden.
Medientechnisch aufbereitet, wie die Trennung von siamesischen Zwillingen.
Aber dazu später mehr, denn zunächst gewinnt Gisela (eigentlich Giselle, wobei sie, die eigentlich Brasilianerin, so unglaublich Deutsch ist, dass nur der Name Gisela zu passen scheint) an Profil.
Was man nicht für möglich hielt:
Es braucht nur Gisela, ein durchtrainiertes männliches Model, den Strand und die dazugehörige Mode...
Showdown in der Topmodelwelt!
Wenn Rache verübt werden kann, dann ist der stets weinerliche und von der ganzen Welt unverstandene Kleinmädchenkopf auf ein grösseres Ziel geeicht.
Gut – Gut – das ist gewiss alles inszeniert und abgesprochen, trotzdem macht Gisela ihre Sache gut. Sie versucht einer „Erzfeindin“
(„Die hat über mich gelästert! Jetzt zahl ich es ihr zurück!“)
ihren Freund, eben jenes durchtrainierte männliche Model, mit dem sie erotisch am Strand posieren muss, auszuspannen.
Das muss eine Wonne für Alice Schwarzer sein. Wenn sie - was ich bezweifele - dieses Format sehen sollte.
Da wird der Mann (heisst der eigentlich "Junge" in der Modelwelt?)
instrumentalisiert und auf seine reine Äusserlichkeit reduziert. Die weibliche Sexualität über die des Mannes gestellt - Gisela entpuppt sich als unglaublich emanzipiert.
Seltsame Zusammenhänge - das alles.
Ein wenig lahm ist es schon, dass der Typ auf die Avancen von Gisela nur insofern reagiert, als dass er sagt:
„Nein. Ich kann nicht mit Dir Photos machen. Kann ich nicht machen. Ich liebe meine Freundin.“
(da merkt man, dass dieses Zwischenspiel für das 14jährige Zielgruppenpublikum, die sich noch halb in der Disney-Welt befinden, inszeniert wurde.)
Aber man wird reichlich dadurch entschädigt, dass Gisela aufzutauen scheint, wenn man ihr einen Mann zur Seite stellt.
Da wird sie „schwitzig“ (Original Beschreibung von Gisela über ihr Innerstes), kann kichern und sich räkeln und räkeln und räkeln.
Grosse Fernsehgeschichte wird jedoch am Ende der Sendung geschrieben.
Was schon die Woche davor als Cliffhanger fungierte (nämlich: „Wer muss gehen? Gina Lisa oder Sarah), wird bis über das Erträgliche hinaus ausgereizt.
Beide werden nach vorne zitiert, stehen also vor Heidi, die sie zappeln und sich winden lässt. Das ist nicht neu. Neu ist, dass die beiden „Mädchen“ anscheinend die Anweisung bekommen haben, miteinander während der Urteilsverkündung zu kommunizieren.
„Du bleibst hier Schatz.“
„Ich bleib nicht hier – ohne dich.“
„Doch – doch.“
„Ich brauch dich.“
„Ich brauch dich noch mehr.“
„Du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich brauche.“
„Ey – Zack die Bohne.“
Eine unerträgliche Zeitspanne lang beobachten und senden die Kameras ohne Schnitt (Schnack) dieses Gespräch.
Ab und an von Heidi unterbrochen, die klar stellt:
Sarah schliesslich – wer kann es ihr verdenken – verlässt die Zirkusarena und hat keine Bock mehr.
Die Frage "Wer geht, wer bleibt?" wird auf die nächste Woche vertagt.
Mittlerweile eine eher langweilige Frage ... Trotzdem:
Ich habe um eine Flasche Tequila gewettet, dass Gina Lisa rausfliegt.
Mal sehen – mal sehen...